Von Biel aus in den Kampf gegen den Krebs

Theresa Visarius von der IPS Biopharma AG erzählt über ihr Schaffen im Innovationspark und über das neuste Medikament ihrer Firma gegen Krebs.

Die IPS Biopharma AG war eines der ersten Start-ups, die sich im Innovationspark in Biel eingemietet haben. Das Biotechunternehmen hat eine neue Krebsimmuntherapie entwickelt. Sie ermöglicht die Vernichtung von Krebszellen durch das eigene Immunsystem. Geschäftsführerin Theresa Visarius über ihre Entdeckung, die Zukunft der Krebsforschung und ihren Bezug zu Biel.

Theresa Visarius, Ihre Firma hat ein Medikament entwickelt, das im Kampf gegen Krebs eine grosse Chance sein kann. Wie funktioniert es?

Die IPS Biopharma AG entwickelte eine neuartige Krebsimmuntherapie, welche das Immunsystem aktiviert und bei vielen verschiedenen metastasischen Tumoren eingesetzt werden kann. Wir haben einen neuen Weg entdeckt, die molekulare Adresse des Krebses ausfindig zu machen und mittels unseres Medikamentes ins Immunsystem einzuspeisen. Mit dieser Information kann das Immunsystem Zellen generieren, die fähig sind, den Krebs zu finden und zu zerstören – egal, wo im Körper sich dieser befindet. Der Krebs, der sich normalerweise vor dem überwachenden Immunsystem verstecken kann, ist entdeckt, wird Objekt des Angriffs und wird im besten Fall eliminiert.

Immuntherapie ist derzeit das Trendgebiet in der Onkologie, soeben haben zwei Forscher den Nobelpreis auf diesem Gebiet erhalten. Wie passt Ihr Produkt zu deren Erkenntnissen?

Immuntherapie ist viel mehr als ein Trend. Sie ermöglicht eine neue Dimension in der Tumorbehandlung und wird aktuell als die vielversprechendste Weise betrachtet, Krebs zu bekämpfen. Wir glauben, wie viele andere auch, dass die Zukunft in der Krebsbekämpfung in der Kombination verschiedener Behandlungsweisen liegt, die ganz individuell auf den einzelnen Patienten zusammengestellt werden. Unser Medikament soll mit verschiedenen anderen Immuntherapien harmonieren.

Wann wird das Medikament auf den Markt kommen?

Nach einer intensiven Entwicklungsphase und jüngsten klinischen Tests mit vielversprechenden Resultaten stehen wir nun kurz davor, bei der Zulassungsbehörde Swissmedic ein Gesuch für klinische Versuche einzureichen. Ein neues Medikament aus dem Labor auf den Markt zu bringen, ist immer ein langwieriger Prozess. Wir sind aber auf bestem Weg – mit positiven Ergebnissen beabsichtigen wir, in der Schweiz ungefähr 2024 die Marktzulassung zu beantragen.

Weshalb arbeitet die IPS Biopharma ausgerechnet in Biel?

Die Zentrumslage Biels ist für uns ein grosser Vorteil, weil wir mit Forscherteams in der ganzen Schweiz arbeiten. Biel verbindet ideal die Deutsch- und die Westschweiz. Zudem bietet der Innovationspark gemeinsam mit der Be-advanced AG, also der Innovationsagentur des Kantons Bern, alle notwendigen Start-up-Hilfen.

Ist Biel so innovativ, wie viele Unternehmer sagen?

Biel ist garantiert eines der wichtigsten Innovationszentren der Schweiz. Unsere Aktivitäten hier zu konzentrieren, hat uns viele Türen geöffnet. In Biel herrscht eine energetisierende Atmosphäre.

Welche Rolle hatte der Innovationspark bei der Entwicklung der Immuntherapie?

Im Innovationspark wie auch bei Be-advanced stiessen wir auf echte Visionäre. Bereits bei der ersten Präsentation unserer Arbeit haben die CEOs beider Organisationen das Potenzial unserer Therapie erkannt. Sie haben uns ab erster Stunde unterstützt.

Interview: Simone Lippuner